Das Alter ist eine Frage der Haltung, nicht der Jahre

Es gibt Menschen, bei denen man das Geburtsdatum einfach vergisst. Nicht, weil es unwichtig wäre, sondern weil es schlicht nicht zu dem passt, was man vor sich sieht. Man schaut in ein Gesicht voller Leben, hört eine Stimme voller Neugier, erlebt eine Präsenz voller Energie – und die Zahl auf der Geburtsurkunde tritt in den Hintergrund.

Genau das haben wir kürzlich wieder erlebt, als wir den 90. Geburtstag von Rita feiern durften.

Ein Tag, der zeigte, was Lebensfreude bedeutet

Es war ein wunderschöner Tag. Begegnungen reihten sich aneinander, Gespräche entstanden, Lachen füllte die Räume – und das bis spät in den Abend hinein. Mittendrin: eine Jubilarin, der man ihr Alter niemals gegeben hätte.

Was Rita ausstrahlt, lässt sich schwer in einem Wort fassen. Vielleicht kommt man dem Wesentlichen am nächsten, wenn man es Lebensfreude nennt. Ihre herzliche, positive Einstellung, ihre Offenheit für alles Neue – das sind keine Äusserlichkeiten. Es sind die Kräfte, die ihr Wohlbefinden tragen, Tag für Tag.

Rita ist neugierig geblieben. Sie will noch so viel erleben, so viel entdecken. Dieser Tatendrang prägt ihren Alltag auf eine Weise, die ansteckend wirkt: Wer mit ihr spricht, spürt, wie sehr das Leben sie noch immer in Bewegung hält.

Warum manche Menschen jung bleiben, ganz gleich, wie alt sie sind

Es gibt einen einfachen, aber wahren Gedanken dahinter: Das Alter ist nicht das Datum, das auf unserer Geburtsurkunde steht. Es ist eher eine Lebenseinstellung, ein Gefühl, eine Art, den Tagen zu begegnen.

Wer neugierig bleibt, wer lachen kann, wer sich für Neues öffnet statt sich zu verschliessen, bleibt im Kopf jung – ganz unabhängig davon, wie viele Kerzen auf der Geburtstagstorte stehen. Neugier und Freude am Leben halten den Geist flexibel, wach und lebendig. Sie sind wie ein stilles Training für die Seele, das mit jedem Lächeln, jedem neuen Gespräch, jeder kleinen Entdeckung weitergeführt wird.

Sicherheit als Teil der Lebensfreude

Doch Lebensfreude entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie braucht einen Boden, auf dem sie wachsen kann. Bei Rita ist dieser Boden auch die Gewissheit, jederzeit einen Ansprechpartner auf Augenhöhe zu haben – jemanden, der da ist, wenn Fragen aufkommen, der zuhört, der unterstützt, ohne zu bevormunden.

Diese Sicherheit ist kein Widerspruch zur Selbständigkeit. Im Gegenteil: Sie ist die Grundlage dafür, dass Neugier und Tatendrang überhaupt Raum finden können. Wer weiss, dass er nicht alles allein tragen muss, kann sich freier den schönen Dingen des Lebens zuwenden – dem Lachen, den Begegnungen, den kleinen und grossen Abenteuern, die auch mit 90 Jahren noch warten.

Rita zeigt uns das jeden Tag aufs Neue. Und vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis eines solchen Geburtstags: Das Alter mag auf dem Papier stehen. Gelebt wird es woanders – im Herzen, im Kopf, und in der Offenheit, mit der wir jedem neuen Tag begegnen.

Weitere Beiträge

  • Dankbarkeit im Alter: Warum ein kleines Ritual den Jahresstart leichter macht

    Zum Jahreswechsel lädt das MERITUS-Team bereits zum 10. Mal zum traditionellen «Dreikönigessen» ein – ein Moment der Dankbarkeit und des gemeinsamen Anstossens auf das neue Jahr.

    Samstag, 3. Januar 2026

  • Innere Sicherheit im Alter: Das gute Gefühl, angekommen zu sein

    Was bedeutet Sicherheit im Alter wirklich? Bei ter tantum meritus entsteht sie durch Vertrauen, Verlässlichkeit im Alltag und das gute Gefühl, nicht allein zu sein. Wer hier lebt, spürt Geborgenheit durch ein Umfeld, das trägt, ohne zu beschweren. Innere Sicherheit beginnt hier.

    Mittwoch, 16. Juli 2025

Über den Autor

  • Gabriela Pestalozzi-Marcolin

    Gabriela Pestalozzi-Marcolin ist Gastgeberin und Mitgestalterin von MERITUS in Steckborn. Sie lebt selbst im Wohnkonzept und begleitet Bewohnerinnen und Bewohner im Alltag. Dadurch kennt sie die Fragen, Wünsche und Unsicherheiten, die Menschen beim Wohnen 50plus beschäftigen, aus nächster Nähe.

Inhalte herunterladen

Broschüre herunterladen

Flyer herunterladen